Die Geschichte der Brettlbar & Rasthaus Lang

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre war Mönichkirchen ein äußerst beliebter Höhenluftkurort. In erster Linie für Gäste aus Ostösterreichs und den angrenzenden Nachbarländern. Personen aus Politik, Kunst und Wissenschaft sowie erfolgreiche Geschäftsleute und wohlhabende Bürger verbrachten gerne ihre Winter- und Sommerurlaube in dem Ort auf 1000 m Seehöhe, gleich weit von Wien wie Graz gelegen, mit seinem auch heute noch geschätztem Reizklima. Wer es sich leisten konnte, baute oder erwarb ein Haus hier an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

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Die Familie Lang betrieb durch vier Generationen das Hotel Lang: das erste Haus am Platz. Der Betrieb hatte in Spitzenzeiten 120 Gästebetten und über 40 Beschäftigte und bot nicht nur Gemütlichkeit und gutes Essen, sondern durch die Atmosphäre, die von den interessanten Gästen ausging, vielfach geistige Anregungen. "Man" verbrachte seine Zeit mit Persönlichkeiten, die man sonst, wie man heute sagen würde, "nur aus dem Fernsehen kannte". Der zunehmende Verkehr und der Ausbau der Wechselbundesstraße, Jahrzehnte vor der Autobahn, war der Anlass für die Errichtung des Rasthauses. Hier wieder trafen sich alle die zwischen Klagenfurt, Graz und Wien in Verfolgung ihrer beruflichen Interessen unterwegs waren. Ein Topfenstrudel bei Lang gehörte einfach zu einer Wienfahrt und ein zweiter natürlich auf der Rückfahrt.

 

Die Einweihung erfolgte zur Makterhebung Mönichkirchens am 20. Juni 1961. Der Entwurf stammt von dem Wiener Architekten Anton Stascha - entsprechend dem Höhenluftkurort ist der Baukörper einer Liegehalle nachempfunden. Es war in den 60er Jahren das erste rustikal ausgestattete Lokal und damit schon damals eine Sehenswürdigkeit. Der Betrieb lief rund um die Uhr - 24 Stunden. Der Name "Brettlbar" kommt von den Brettln, d.h. den Schiern, die im Eingangsbereich auch auf die sportlichen Möglichkeiten am Wechsel im Winter hinweisen.

 

1966 trennten sich die Brüder Karl und Heinz Lang. Letzterer übernahm die Brettlbar, ergänzte sie um einen Zimmertrakt und machte daraus ein kleines Hotel. Mit der Eröffnung der Autobahn über den Wechsel im November 1985 wurde es nicht nur im Rasthaus Lang, sondern in der ganzen Region ruhiger. Geschäftsreisende und eilig zwischen den österreichischen Städten pendelnde Autofahrende fanden nicht mehr die Zeit, die traditionellen Jausenstops einzulegen.

 

Am 1. 1. 1984 hatte die 4. Generation, Margit Lang, die Führung des Hauses übernommen. Ausgebildet in der Hotelfachschule Bad Gleichenberg/Stmk. und Schloss Klessheim in Salzburg, war es ihre erste Aufgabe, den neuen Gegebenheiten entsprechend umzustrukturieren. Heute wird das Rasthaus Lang, die "Brettlbar", ein gastronomisches Kleinod, wieder aufgesucht von Politikern, Künstlern, Wirtschaftskapitänen, Journalisten und Wissenschaftlern sowie von Bewohnern der Umgebung und einfachen Leuten, die Ruhe, Atmosphäre und liebevoll zubereitete bürgerliche Küche suchen. Zwischen Wien und Graz ist es der ideale Treffpunkt. Der Topfenstrudel wurde ergänzt um vorzügliche Steaks, den zartesten Tafelspitz sowie eine große Anzahl von erlesenen österreichischen Spezialitäten.

 

Die Gasträume und die Zimmer sind entsprechend dem Anspruch der Küche auf subtile Weise ausgestattet. Der jahreszeitlich arrangierte Blumenschmuck unterstreicht die mit Herz gepflogene Gastfreundschaft und holt die Jahreszeiten in die Räume. Das Rasthaus Lang ist aber nicht nur für anspruchsvolle auswärtige Gäste, sondern auch für die einheimische Bevölkerung ein Ort der Begegnung, Entspannung und des Gedankenaustausches.

 

Von Anfang an hatten die Brüder Lang und ihre im Geschäft mittätigen Frauen in einer besonderen Heimatverbundenheit begonnen, Gegenstände des täglichen Gebrauches in der Region zu sammeln und durch Ausstellung des sonst dem Vergessen preisgegebenen bäuerlichen und handwerklichen Gerät entgegenzuwirken. Auf seine Art ist das Rasthaus dadurch zu einem Heimatmuseum (Privatsammlung Heinz Lang) geworden und ist in jedem Museumsführer angeführt. Die Besitzerin Margit Fuchs-Lang fühlt sich gemeinsam mit ihrem Gatten Hans-Georg Fuchs dieser Tradition verpflichtet und gleichzeitig Neuem zugewandt.      

                                                   

Text: Margit Lang

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